Der Weihnachtskalender

Wer kennt ihn nicht? Den Weihnachtsstress. Ich nehme mir ja jedes Jahr auf’s Neue vor mich nicht stressen zu lassen. Mich schon früher im Jahr gut vorzubereiten und vorrausschauend zu planen. Klappt nicht. Nie. Es endet immer in einer Vollkatasrophe. Und bis Freitag muss ich diese verdammten Adventskalender in dreifacher Ausführung fertig haben. Und wie bereits in den Jahren zuvor,  stehe ich auch 2017 vor der Frage: was tue ich da rein? Nur Süßes geht ja wohl schlecht. Das wäre  1. nicht pädagogisch wertvoll, 2. schlecht für die Zähne und 3. viel zu einfach.
Also verbringe ich unzählige Stunden damit das world wide web, diverse Spielzeugläden und den örtlichen Drogeriemarkt zu durchforsten. Mit dem Ergebnis, dass die Dinge entweder zu groß, zu teuer oder einfach nur doof sind. Am Ende habe ich einen Berg voller Tinnef: Radiergummis, Malseife, Haarspangen, Knet, Zauberstifte, Theaterkarten, zahnfreundliches Kaugummi, Brause, Glitzerkleber, Fidget Spinner, Mini-Taschenlampe, et cetera pp.
Einerseits freue ich mich wahnsinnig, dass ich für jedes Säckchen eine Füllung gefunden habe. Andererseits weiß ich jetzt schon, dass die Begeisterung darüber maximal 20 Minuten andauern wird. Danach werden der Glitzerkleber und die Knete in einer Ecke vertrockenen und die Radiergummis finde ich vermutlich in drei bis vier Tagen zerschnitten auf dem Fußboden unter den Schreibtischen. Der Fidget Spinner wird vermutlich nach etwa 30 Minuten von Kind 1 auseinandergebaut werden. Eine Eigenart, die Kind 1 laut Aussage von Charlies Frau von seinem Vater, Charlies Sohn, geerbt hat. Er hat nie Spielzeugautos mit Rädern besessen. Nur Einzelteile. Genauso mit Playmobil. Da hatten wir immer nur Figuren ohne Haare.
So harre ich der Dinge die da kommen und hänge bei weihnachtlichem Gedudel von der Tchibo-Kinder-Weihnachts-CD aus dem vergangen Jahr die Adventskalender in Form von kleinen Säckchen in den Kinderzimmern auf. Als Kind 2 aus der Schule kommt und im Kinderzimmer den diesjährigen Kalender entdeckt, erwarte ich überschwängliche Freude und strahlende Kinderaugen. Weit gefehlt. Stattdessen fragt sie: Mama, wann kriegen wir eigentlich endlich mal einen gekauften Adventskalender?

Memo an mich: 2018 plane ich von dem gesparten Adventskalender-Befüllungs-Geld ein Wellness-Wochenende mit einer Person meiner Wahl und kaufe am 30.11. einfach drei nicht pädagoisch wertvolle, gesundheitsschädliche, einfallslose Schoki-Kalender.

Einbrecher oder Elster?

Dienstags, halb fünf bei Familie E.:

Kind 1 hat gleich Schlagzeugunterricht, weshalb wir den Schlüssel für den Übungsraum (auch Häuschen genannt) suchen. Ich bin mir sehr sicher (zu etwa 98%), dass der Schlüssel vor 2 Stunden (als wir kurz das Haus verlassen haben) in der Küche lag. Nun ist er weg. Nicht mehr da. Spurlos verschwunden.
Da es der einzige Schlüssel ist, stellt uns seine Abwesenheit vor ein Problem: kein Schlüssel, kein Unterricht ?

Ich bitte Kind 1 & 2 mir bei der Suche zu helfen.
Kind 2 dreht sich 1x um die eigene Achse und verkündet: hier ist er nicht.
Kind 1 wirft einen kurzen Blick aus dem Fenster und meint: im Garten auch nicht.

Kind 2 vermutet, dass ein Dieb während unserer Abwesenheit eingebrochen ist und den Schlüssel gestohlen hat.
Kind 1 stellt die Theorie auf, eine Elster sei durch die offene Terrassentür herein geflattert, habe den Schlüssel in einem unbeobachteten Moment entwendet und damit weggeflogen ?

Sie werden mal Kriminalkommissarin und Ornithologe.
Und ich werde Schlüsselsucher

Warum ich sonntags keine Kinderzimmer mehr aufräume

Was tun an verregneten Sonntagen? Ein lieber Freund hat in seinem Blog mal alle möglichen Aktivitäten aufgelistet, die er im Laufe seiner Vaterschaft zusammen getragen hat. Einige davon habe ich gerne übernommen. Unter anderem war dabei: Kinderzimmer auf- und umräumen. Ist viel Arbeit, aber die gesamte Familie sei den kompletten Tag beschäftigt. Soweit der Plan.

Wie sich bald herausstellt, ist das Ganze nervenaufreibender als zunächst angenommen. Bei jeder Schublade, die ich öffne, will ich am liebsten den gesamten Inhalt in den bereitgestellten Müllsack kippen. Ursprünglich waren die Schubladen thematisch sortiert: Lego, playmobil, Autos, Barbie, Knete, Bastelzeug, usw.
Heute befindet sich darin zwar immer noch wahlweise Lego, Knete oder Barbie. Jedoch vermischt mit playmobil, anderem Lego (ausschließlich Kleinteile, von denen niemand mehr weiß, wozu sie gehören), Bügelperlen, Loom Gummis, Haarklämmerchen (vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich im Kindergarten beschwert, dass uns ständig Haarklammern abhanden kommen und diese nur im Kindergarten verschwunden sein können ?), zerschnittene Radiergummis (warum in aller Welt zerschneiden meine Kinder Radiergummis?), diverse Stifte, ein USB Stick (mit den Fotos für den Weihnachtskalender, den ich tagelang gesucht habe und kurz vor knapp neu zusammen stellen musste ?), den Gummistopfen von der Spardose (die wir längst entsorgt haben, weil der Gummistopfen unauffindbar und die Spardose somit nicht nutzbar war), 2 Hände voll Spielsteine und Puzzleteile (wir konnten etwa 6 Gesellschaftsspiele wieder vervollständigen, ebenso mehrere Puzzle), 5 Schnuller von Kind 3 (ab sofort werde ich bei der abendlichen Schnullersuche zuerst einen Blick in die Spielzeugschublade werfen, bevor ich erst 30 Minuten das Haus durchsuche, um am Ende doch den Notfallschnuller aus meiner Handtasche zu holen), den längst verloren geglaubten Ersatzschlüssel vom Dachträger (Schade nur, dass wir inzwischen kein Auto mehr besitzen auf welches der Träger drauf passt), 8 einzelne, schmutzige Socken (für deren Verlust ich bisher die Waschmaschine verantwortlich gemacht habe), 7 Bastelscheren (wo sich Kind 2 doch gerade erst eine zum Geburtstag gewünscht hat, weil wir angeblich keine besitzen), die Kordel vom Bademantel (die wir seit ca. 6 Monaten suchen) und so weiter und so fort.

Im Nachhinein kann ich sagen: Kinderzimmer auf- und umräumen eignet sich definitiv NICHT für einen entspannten, verregneten Sonntag. Was vorrangig dem Umstand geschuldet ist, dass die Eltern von Schublade zu Schublade ärgerlicher werden. Die Mitarbeit der Kinder, die wir anfänglich noch mit der Aussicht „dann habt ihr heute Abend ein neues Zimmer“ motivieren konnten, lässt bereits bei der 2. Schublade stark zu wünschen übrig. Nicht zuletzt, weil die leidigen Diskussionen darüber, ob „mein allerliebstes Lieblingsspielzeug von Mc Donald, das ich schon soooo lange gesucht habe“ entsorgt werden kann oder nicht, in ohrenbetäubendem Geschrei endet.

Memo an mich:
1. sämtliche Geschenke von Verwandten und Freunden an die Kinder, dürfen von selbigen nur dann angenommen werden, wenn der oder die Schenker sich 2x jährlich an der Kinderzimmer-Aufräum-Aktion beteiligen.
2. Marco sagen, dass er sich seine Tipps für verregnete Sonntage in die Haare schmieren kann!

Von doofen Kindern und Sonnencreme

In regelmäßigen Abständen wird die Beständigkeit einer Familie auf eine harte Probe gestellt.
Beispielsweise heute, wenn man, eingepfercht in einen 8 qm großen Wohnwagen, seit 2 Wochen in Spanien weilt.

Kind 3 reagiert jedes mal, wenn ich den Wohnwagen verlasse (Toilette, duschen, schwimmen,…) mit lautem Gebrüll. Da ist es dann besonders hilfreich, wenn Charlies Sohn der Meinung ist: jetzt nimm sie halt auch mal mit. Du merkst doch, dass sie gerne bei dir wäre. Ich kann sie auch nicht dauernd ablenken….. Äääähhhhh, DOCH! Kannst du wohl!!!!

Kind 2 hat die Zwischenwelt von Kindergartenkind und Vorschulkind erreicht, was sich in regelmäßigen Motz- und Schrei-Attacken äußerst. Mein Geduldsfaden reißt, als sie bei Elfer raus zum xten Mal eine hanebüchene Kombination wie die blaue Zwei neben die rote Zehn (wie doof ist die eigentlich?) legt. MANN, jetzt leg halt mal was Vernünftiges!!!

Kind 1 befindet sich in einer Art Vor-Pubertät. Auf jede noch so harmlose Bitte wie etwa: kannst du bitte deine nasse Badehose aufhängen/dein Fahrrad aus dem Weg räumen? folgt die Antwort: kann ich nicht mal 5 Minuten Ruhe haben und machen was ich will???
Nach 13 Tagen bleibe ich auch hier nicht mehr gelassen…. MACH JETZT! Oder du gehst für den Rest des Urlaubs weder schwimmen, noch radfahren!!!

Das Ganze gipfelt heute bei Charlies Sohn (auch bekannt als Kind 0). Bereits am Vormittag weise ich ihn liebevoll darauf hin, dass ihn ein Sonnenbrand auf dem Rücken erwartet, wenn er sich nicht bald eincremt. Ich ernte verständnisloses Augenrollen. Am späten Nachmittag (der Rücken leuchtet knallrot) bin ich nicht mehr ganz so freundlich, mit meinem Hinweis auf Sonnencreme und/oder ein T-Shirt….

Beim Abendessen sinnieren Kind 0-3 über den Tag, der total nett und entspannt hätte sein können, wenn die Mama (also ich!!!) nicht dauernd rumgemeckert hätte.

Nee, iss klar. Ich hatte schon lange keinen so tollen Tag mehr…

Warum ist Ostern eigentlich nicht im August?

Charlies Sohn: Oooohhhhh, ich brauch‘ echt Urlaub. Wann fahren wir gleich wieder weg?
Ich: Ende März.
Charlies Sohn: Hä? Das geht nicht. Da ist Fiskaljahresende.
Ich: Ja. Und Osterferien.
Charlies Sohn: Wann sind die denn?
Ich: Letzte Märzwoche und erste Aprilwoche.
Charlies Sohn: Das fällt jetzt aber schon doof….
Ich: Das liegt aber in der Natur der Sache. Ostern ist IMMER im März oder im April. Dir war doch klar, dass dieses Problem auf uns zukommt, sobald wir schulpflichtige Kinder haben.
Charlies Sohn: Zwei bis drei Wochen später wäre trotzdem besser.
Ich: OK! Dann haben wir genau 2 Möglichkeiten: entweder wir stellen einen Antrag um Ostern künftig auf einen Termin weit nach dem Fiskaljahreswechsel zu verlegen. Oder du erklärst deinem Chef ein für alle Mal, dass wir bei unserer Urlaubsplanung leider an die Schulferien gebunden sind.
Charlies Sohn: Haha…du bist ja wieder wahnsinnig witzig.
Ich: Wieso? Dein Chef wird doch wohl mal eine Woche ohne dich auskommen.
Charlies Sohn: Ja schon. Aber der ist ja über Ostern im Urlaub…
Ich: ???

Sollte also ein weltweit agierendes Telekommunikationsunternehmen
während der Osterferien seinen Betrieb einstellen, liegt es daran, dass wir im Urlaub sind…

Warum Kinderspielecken in Restaurants mein persönliches Armageddon sind

Familienausflugstag im Herbsturlaub: wir fuhren mit der Seilbahn zur Bergstation. Weil Kind 1 und 2 mit dem Papa unbedingt noch bis zum Gipfel hinauf wollen, schlage ich die Wartezeit mit Kind 3 im Panorama-Restaurant tot. Mit anfänglichem Entzücken stelle ich fest, dass es eine Kinderspielecke gibt. Ich suche mir also einen Platz in der Nähe, befreie Kind 3 von sämtlichen Kleidungsschichten und begleite sie zur Spielecke. Am Nebentisch sitzt eine Frau mit ihrer Mutter und zwei Kindern, die, wie ich augenblicklich vernehme, beide sehr vielversprechende Vornamen tragen: Tassilo und Aurelia. Mehr Erklärung braucht es hier wohl nicht……
Tassilo ist schätzungsweise 4 Jahre alt und spielt bereits in der Spielecke, als Kind 3 dazu kommt. Allen Hindernissen zum Trotz stürzt sie sich sofort auf die einzige Babypuppe. Dummerweise hat Tassilo diese gerade „zu Bett gebracht“ (sie liegt neben ihm auf der Erde). Er fängt sofort an zu heulen und die Mutter schaut mich vorwurfsvoll an.
Ich frage (ganz vorsichtig): ist das seine Puppe?
Die Mutter : nein, aber es ist natürlich NICHT schön, wenn IHR Kind hier angestürmt kommt und ihm SOFORT sein Spielzeug wegnimmt. Auch, wenn es NICHT sein eigenes ist!
Ich (denke): ah ja!
Ich versuche Kind 3 zu animieren sich ein anderes Spielzeug auszusuchen.
Die Mutter am Nachbartisch beginnt das ca. 2 jährige Mädchen zu stillen. Neben ihr stehen diverse Tupperschüsselchen mit Obst- und Gemüseschnitzen.
Statt sich auf den Berg restlichen Spielzeugs zu konzentrieren, rennt Kind 3 (gefühlt) alle paar Sekunden zum Nachbartisch und erbettelt sich etwas zu essen. Das ist mir so peinlich, dass ich ihr umgehend eigenes „Essen“ anbiete. Dummerweise hat, wie ich dann mit Entsetzen feststelle, Charlies Sohn das Portemonnaie mit zur Gipfelbesteigung genommen und ich habe weder Obst noch Gemüse dabei. Ich finde in meiner Tasche lediglich eine Packung Gummibärchen und 2 Traubenzucker vom letzten Apothekenbesuch. So ein Scheiß!!! Notgedrungen gebe ich ihr das, wobei mich die Nachbarmutter mit Argusaugen beobachtet.
Tassilo hat inzwischen angefangen eine Burg aus Bauklötzen zu errichten. Ein Bild, wie ich es nur aus diversen Spielzeugkatalogen kenne. In Echt habe ich so etwas noch nie gesehen. Kind 3 auch nicht! Deshalb rennt sie auch sofort los und stößt alle Bauklötze um. Tassilo fängt abermals an zu flennen. Die Blicke der Mutter sind vernichtend. Kind 3 ignoriert die Blicke und verlangt sich erneut einen Apfelschnitz. Die Mutter hat offensichtlich die Nase voll von Kind 3 und verweigert ihr das gesunde Obst. Stattdessen schickt sie sie zu mir. Da ich, wie bereits erwähnt, kein adäquates Essen mitführe, klaubt sich mein armes Kind die runtergefallen Pommes und sonstige Essensreste unter den umliegenden Tischen im Restaurant zusammen. Dann führt sie der Weg erneut zur Spielecke, wo Tassilo unter großem Geschluchze seine Burg wieder aufgebaut hat. Zum Schutz vor meinem 17 Monate alten Baby hat sich nun Tassilos Oma vor die Bauklötze gesetzt und breitet, als Kind 3 abermals angestürmt kommt, schützend die Arme vor der Burg aus. Kein Durchkommen für Kind 3.
Ich habe ich inzwischen im Rucksack von Kind 2 eine halb zermatschte Bananen gefunden und versuche Kind 3 damit von den Bauklötzen wegzulocken. Leider mag sie keine zermatschte Bananen und will zurück zur Spielecke.
Ich bezeichne es jetzt mal als großes Glück, dass es genau in diesem Moment notwendig wird, den Wickelraum aufzusuchen. So kann ich mich dieser absurden Situation geschickt entziehen. Als wir zurückkommen, ist Charlies Sohn mit Kind 1 und 2 zurück und die Mutter von Tassilo und Aurelia hilft ihren Kindern die Jacken anzuziehen. Sie sieht erleichtert aus, als sie checkt, dass die beiden anderen Kinder ebenfalls zu mir gehören…..

Familie kann man sich nicht aussuchen

Für G. – der sich eine Geschichte gewünscht hat.

Ich habe eine Schwester  sowie eine Vielzahl an Cousins und Cousinen. In meiner Familie sind alle pragmatisch. Jeder sagt, was er/sie denkt – wer damit ein Problem hat, hat Pech.
Doch auch, wenn das für Außenstehende nicht auf den 1. Blick erkennbar ist: wir lieben uns! Das sagt natürlich jetzt keiner so richtig. Braucht auch keiner, weil das ja eh klar ist. ❤️

In der Familie meines Mannes ist das komplett anders. Er hat einen Bruder, eine Schwester, eine Cousine und drei Cousins. Sie alle durften wir am vergangenen Wochenende zum jährlichen Familientreffen wiedersehen. Fast alle hatten  Frau oder  Mann/Partnerin oder Partner nebst einem Haufen unglaublich entzückender Kinder mitgebracht (in diesem Punkt haben meine Cousinen & Cousins noch einiges aufzuholen). Aber im Gegensatz zu meiner Familie sind hier IMMER ALLE wahnsinnig nett und zuvorkommend. Sie sagen sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit wie großartig der jeweils andere ist und wie Schade es doch sei, das die ganze Familie sich so selten sieht. Sie sind sogar so nett, dass man als Nicht-Familienmitglied im 1. Moment denken könnte: hier stimmt was nicht (so ging es mir am Anfang jedenfalls)!

Cousin G. beispielsweise, hat für das Treffen eine Berghütte ausgesucht, die man nicht anfahren konnte. Stattdessen musste man mitsamt seinem Gepäck + Schlafsack (in unserem Fall für 5 Personen) 1,5 Stunden bergauf latschen. Aber hat sich jemand beschwert? Fehlanzeige! Alle sind total gut gelaunt und freudig hinauf gestapft, als gäbe es nichts Schöneres auf der Welt.
Da wir aufgrund der weiten Anreise (darüber habe ICH mich sehr wohl beschwert) erst am sehr späten Freitagabend ankamen und in einem der örtlichen Hotels übernachtet haben, sind sogar sämtliche Familienmitglieder am Samstagmorgen nochmal runtergelatscht um uns abzuholen. Und dann – das muss man sich mal vorstellen – gab es fast Streit darüber, wer unser Gepäck nach oben tragen DARF….
Und da traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz: die meinen das echt Ernst!

Ich bin von der Erkenntnis noch immer ganz verzückt. Auch wenn diese Familie so komplett anders ist als meine, habe ich sie im Laufe der Jahre nicht weniger lieb gewonnenen. Und obwohl ich es anfangs für unmöglich gehalten habe, glaube ich inzwischen: ich passe ganz gut dazu.

Warum ich Schuhe nur noch online kaufe

Heute habe ich beschossen, nie wieder ein Schuhgeschäft im Beisein ihrer Kinder zu betreten.

Scheinbar lösen Schuhe eine Art Pawlow’schen Reflex bei meinen Kindern aus, mich in große Verlegenheit zu stürzen.

Vor einiger Zeit, auf der Suche nach neuen Schuhen für Kind 1, waren wir in einem Schuhgeschäft. In der Kinderabteilung war eine weitere Familie. Die Mutter probierte – genau wie ich – mit dem älteren Kind Schuhe an, während der Vater mit dem Geschwisterkind, das im Kinderwagen saß, daneben wartete. Als ich also mit Kind 1 passende Schuhe suche, schlawänzelt Kind 2 ständig um den Vater mit dem Kinderwagen herum. Ich denke noch so: ach wie süß, will sie wohl nach dem Baby schauen. Plötzlich bricht es aus Kind 2 heraus: Mein Onkel hat auch so eine Glatze wie du!!!

Im Nachhinein betrachtet hätte es mir zu denken geben sollen.

Heute war ich mit den Kindern wieder mal im Schuhladen um Schuhe für mich zu finden. Während ich anprobiere testen die Kinder wie lange es dauert, den Laden mit dem Roller zu durchqueren. Nach einigen Ermahnungen bitte ich die Kinder sich auf einen Stuhl in meiner Nähe zu setzten. Plötzlich fragt
Kind 1: Mama, braucht man eigentlich auch einen Beruf um Mama zu werden?
Ich: Klar! Oder glaubst du jeder kann einfach so Mama werden?
Kind 1: Gell Mama, da muss man gut kochen können. Und staubsaugen und wischen und so….
Ich: Ach, das in deinen Augen also alles was ich kann?
Kind 1: Nä…. Man muss auch wahnsinnig gut schimpfen können!!!

Dem ist dann wohl nichts mehr hinzuzufügen. Das alles wohlgemerkt in einer Lautstärke, dass es wirklich JEDER, der sich in diesem Geschäft befand, hören konnte.

Das Notfall-Armband

Minuten des Grauens beim gestrigen Phantasialand-Besuch:
11:42 Uhr – Kind 2 ist weg!!!
Nach einer Runde Geisterbahn sammelt sich unsere Gruppe ein Stück vom Ausgang entfernt um zu besprechen welches die nächste Attraktion sein soll. Beim Aufbruch stellen wir fest, dass Kind 2 fehlt.
Da sie ein Band mit meiner Telefonnummer um ihr Handgelenk trägt behalte ich die Nerven und vertraue darauf, dass mich gleich ein netter Parkbesucher anruft um mir mitzuteilen wohin meine Tochter verschwunden ist während wir die nähere Umgebung absuchen.
Doch nichts passiert….

Nach 15 Minuten steigt dann doch Panik in mir hoch. So ganz langsam. Beginnt irgendwo in der Magengegend und bleibt im Hals hängen.
Es gelingt mir mit einigermaßen kontrollierter Stimme Kind 1 zu bitten durch die Geisterbahn zu laufen. Möglicherweise hat sich Kind 2 noch mal angestellt….
Am Ausgang der Geisterbahn teilt uns ein freundlicher Parkmitarbeiter mit: so ne kleine Blonde? Ja, die war hier. Ganz alleine. Die wurde zum Family Service escortiert.
Erleichtertes Aufatmen. Kind 2 wurde nicht entführt, sondern befindet sich in Sicherheit. Auf dem Weg zum Family Service steigen dann doch wieder Zweifel in mir auf. Warum ruft keiner an? Es ist bestimmt ein anderes blondes Kind. Unsers wird ja wohl nicht das einzige blonde Kind sein, dass heute verloren gegangen ist. Ich denke an Maddie. Das Mädchen, das vor Jahren aus dem Hotelzimmer entführt wurde, während die Eltern beim Essen waren.
Die Panik drückt wie verrückt in meinem Hals, aber ich traue mich nicht meine Befürchtungen laut auszusprechen.

Da streckt Charlies Sohn, der bereits einen Blick durch die Fensterscheibe des Family Service geworfen hat, den Daumen in Höhe.
Sie ist es! Gott sei Dank!

Fröhlich sitzt sie neben einer netten Dame und malt.
OHNE Armband!!!!!!
Ich: wo ist denn dein Armband?
Kind 2: das hat mich genervt. Da hab ich es abgemacht und in deine Jackentasche gesteckt.
Ich zu der Dame: hätten Sie bitte mal einen Kugelschreiber für mich???

Samstag, halbneun in Deutschland

 

Während ich noch im Bett liegend überlege ob ich aufstehen soll oder lieber vorgebe Kreislaufprobleme zu haben, kommt Kind2 schlaftrunken zu mir mit der wichtigen Frage: was zieh ich heute an?
Da ich sowieso keine Position finde in der ich noch weiter liegen kann, stehe ich notgedrungen auf.
Kind2: heute ist Sommer! Darf ich mein Kleid mit Spaghettiträgern?
Ich erkläre ganz freundlich, dass draussen zwar die Sonne scheint, es aber definitiv zu kalt für Spagehttiträger ist. Kind2 fängt an zu weinen und fragt Charlies Sohn.
Kind1 hat sich selber (der Witterung entsprechend) angezogen und verkündet sehr laut, dass er Hunger hat.
Nachdem ich die Garderobe für Kind2 inkl. Spaghettiträgerkleid zusammengestellt habe, fahren beide Kinder mit Charlies Sohn zum Bäcker. Ich genieße währenddessen die Ruhe, decke den Tisch und mache Kaffee.
Plötzlich klingelt es Sturm: die Kinder sind zurück ;o(
Charlies Sohn hat nicht nur Brötchen und Butter mitgebracht. Nein, jedes Kind hat auch eine völlig überteuerte Zeitschrift (die keines der beiden je anschauen, geschweige denn lesen wird) dabei – mit einem megatollen, neuen Lieblingsspielzeug, welches vermutlich nach dem Frühstück bereits kaputt sein wird….. so what!

Ich gebe mich immer noch der Vorstellung eines gemütlichen Frühstücks hin, als Fragen wie: kann ich meinen Nachtisch zuerst essen? Warum ist kein Saft in meinem Glas? Wo ist mein Kakao? War diese Wurst mal ein Tier? Warum hat der Papa Körnbrötchen gekauft? etc auf mich einstürmen…..

Während Kind3 in meinem Bauch austestet wie weit sich meine Bauchdecke nach außen dehnen lässt ohne zu platzen, erkläre ich Kind2 dass man nachdem Frühstück auf gar keinen Fall Anspruch auf Nachtisch hat. Kind1 hat derweil einen Großteil vom Saft neben das Glas geschüttet, sieht aber keine Notwendigkeit denselben aufzuwischen und verlangt stattdessen nach Kakao. Kind2 gibt vor zu schwitzen und zieht das langärmelige Shirt unter dem Spaghettiträgerkleid aus. Charlies Sohn liest Zeitung und erklärt mir, dass ein Teil der Zeitung auf einer neuen Druckerpresse gedruckt wurde. Ah ja!!! Die Kinder haben inzwischen jedes ein Brötchen auf seinem Teller: Kind1 Wurst, die früher kein Tier war und Kind2 Nutella, die hauptsächlich außerhalb des Mundes über das Gesicht verteilt ist.

Da fällt beiden ihr neues Lieblingsspielzeug wieder ein: Kind1 hat eine Blasrohr mit Saug-Pfeilen, die er auf Kind2 schießt. Kind2 hat Schminke, die es über der Nutella im Gesicht verteilt, während es lautschreiend die von Kind1 geschossenen Pfeile quer über den Tisch zurück wirft. Ich nehme beiden Ihr Spiezeug ab und lege es beiseite. Kind1 ist inzwischen dazu übergegangen Pupsgeräusche von sich zu geben. Kind2 friert. Als die Brötchen aufegessen sind, erlaube ich den beiden mit ihren neuen Spielsachen im Kinderzimmer zu spielen.

Sehr großherzig von mir, finde ich – und genieße dann endlich meinen Kaffee.