Cynthia Barcomi kann mich mal!

Meine liebe Freundin Lisa kann hervorragende Cookies backen. So lecker, dass ich schon seit geraumer Zeit versuche sie nachzubacken. Leider erfolglos. Meine Cookies sehen immer aus wie Kuhfladen. Wie ich heute allerdings erfahren habe, liegt es an meiner Art zu backen. Denn laut dem Cookie-Backbuch muss man sich EXAKT an die Mengenangaben, Arbeitsschritte und Termperaturangaben halten. Ernsthaft jetzt? Wer macht das? Ich bin eher so der Pi mal Daumen-Typ. Wenn da steht 265 g Mehl kann es sein, dass ich nur 250 g zugebe oder möglicherweise auch 280 g. Oder solche Angaben wie 1,5 EL Vanillezucker. Gibt es wirklich Menschen, die 1,5 EL abmessen? Ich schütte ein Tütchen Vanillezucker rein und fertig. Wenn ich keine Lust habe, trenne ich nicht mal die Eier. Es kommt doch am Ende sowieso wieder alles zusammen. Und die Butter füge ich so bei, wie ich gerade lustig bin. Wenn ich daran denke sie rechtzeitig rauszunehmen, ist sie weich. Wenn ich ungeplant backe und sie frisch aus dem Kühlschrank hole, ist sie kalt. Und manchmal muss ich die Butter auch erstmal in der Mikorwelle auftauen. Dann ist sie eben flüssig –  so what!

Wenn man genauer darüber nachdenkt, kann man glaube ich von der Art zu backen auf den Typ Mensch schließen. Wie fährt zum Beispiel jemand Auto, der sich genaustens an Temperaturangaben von Butter hält? Das sind doch vermutlich die selben Menschen, die Gebrauchsanweisungen lesen und ihre Geldscheine im Portemonnaie nach Größe sortieren. Das hat doch echt was von Korinthenkackerei wenn man so hundertprozentig genau und stets korrekt ist. Ich denke dann beispielsweise sofort Barty Crouch aus Harry Potter und der Feuerkelch.
Und sind wir mal ehrlich: wer mag denn solche Leute? Ich hatte früher einen Arbeitskollegen, der exakt so war. Er hat mich mal gefragt, ob ich für das Duftspray, dass ich auf den Wunsch anderer Kollegen für die Herrentoilette im örtlichen Drogeriemarkt besorgt hatte, eine Genehmigung für Gift- und Gefahrenstoffe bei der Unternehmenssicherheit eingeholt hätte? Ähmm……

Je länger ich darüber nachdenke, deto unsympatischer wird mir die Verfasserin besagten Cookie-Backbuches. Und ich glaube, ich lasse es einfach. Ich kenne meine Grenzen. Ich backe weiter wie gewohnt meine stinknormalen Pi mal Daumen Plätzchen. Die verzeihen mir die falsch temperierte Butter und sehen später trotzdem appetitlich aus.

Samstag, halbneun in Deutschland

 

Während ich noch im Bett liegend überlege ob ich aufstehen soll oder lieber vorgebe Kreislaufprobleme zu haben, kommt Kind2 schlaftrunken zu mir mit der wichtigen Frage: was zieh ich heute an?
Da ich sowieso keine Position finde in der ich noch weiter liegen kann, stehe ich notgedrungen auf.
Kind2: heute ist Sommer! Darf ich mein Kleid mit Spaghettiträgern?
Ich erkläre ganz freundlich, dass draussen zwar die Sonne scheint, es aber definitiv zu kalt für Spagehttiträger ist. Kind2 fängt an zu weinen und fragt Charlies Sohn.
Kind1 hat sich selber (der Witterung entsprechend) angezogen und verkündet sehr laut, dass er Hunger hat.
Nachdem ich die Garderobe für Kind2 inkl. Spaghettiträgerkleid zusammengestellt habe, fahren beide Kinder mit Charlies Sohn zum Bäcker. Ich genieße währenddessen die Ruhe, decke den Tisch und mache Kaffee.
Plötzlich klingelt es Sturm: die Kinder sind zurück ;o(
Charlies Sohn hat nicht nur Brötchen und Butter mitgebracht. Nein, jedes Kind hat auch eine völlig überteuerte Zeitschrift (die keines der beiden je anschauen, geschweige denn lesen wird) dabei – mit einem megatollen, neuen Lieblingsspielzeug, welches vermutlich nach dem Frühstück bereits kaputt sein wird….. so what!

Ich gebe mich immer noch der Vorstellung eines gemütlichen Frühstücks hin, als Fragen wie: kann ich meinen Nachtisch zuerst essen? Warum ist kein Saft in meinem Glas? Wo ist mein Kakao? War diese Wurst mal ein Tier? Warum hat der Papa Körnbrötchen gekauft? etc auf mich einstürmen…..

Während Kind3 in meinem Bauch austestet wie weit sich meine Bauchdecke nach außen dehnen lässt ohne zu platzen, erkläre ich Kind2 dass man nachdem Frühstück auf gar keinen Fall Anspruch auf Nachtisch hat. Kind1 hat derweil einen Großteil vom Saft neben das Glas geschüttet, sieht aber keine Notwendigkeit denselben aufzuwischen und verlangt stattdessen nach Kakao. Kind2 gibt vor zu schwitzen und zieht das langärmelige Shirt unter dem Spaghettiträgerkleid aus. Charlies Sohn liest Zeitung und erklärt mir, dass ein Teil der Zeitung auf einer neuen Druckerpresse gedruckt wurde. Ah ja!!! Die Kinder haben inzwischen jedes ein Brötchen auf seinem Teller: Kind1 Wurst, die früher kein Tier war und Kind2 Nutella, die hauptsächlich außerhalb des Mundes über das Gesicht verteilt ist.

Da fällt beiden ihr neues Lieblingsspielzeug wieder ein: Kind1 hat eine Blasrohr mit Saug-Pfeilen, die er auf Kind2 schießt. Kind2 hat Schminke, die es über der Nutella im Gesicht verteilt, während es lautschreiend die von Kind1 geschossenen Pfeile quer über den Tisch zurück wirft. Ich nehme beiden Ihr Spiezeug ab und lege es beiseite. Kind1 ist inzwischen dazu übergegangen Pupsgeräusche von sich zu geben. Kind2 friert. Als die Brötchen aufegessen sind, erlaube ich den beiden mit ihren neuen Spielsachen im Kinderzimmer zu spielen.

Sehr großherzig von mir, finde ich – und genieße dann endlich meinen Kaffee.

Von Müttern, Mütter von Müttern und Mittagessen

Ich habe heute festgestellt, dass man niemals in Konkurrenz zu seiner eigenen Mutter treten kann….  Folgendes hat sich zugetragen:

Die Kinder sind für Schule und Kindergarten fertig und kommen in die Küche.
Ich: ich hab euch Nutellabrote geschmiert. Esst noch was bevor ihr gleich los müsst.
Kind1: ich wollte aber Müsli!
Ich: Das ist alle.
Kind2: Ich hasse Körnerbrot.
Kind1: ich auch!
Ich: dann kann ich euch nur Obst anbieten. Äpfel, Birne oder Banane.
Kind2: ich will Melone!
Kind1: Igitt. Kannst du nicht wenigstens Knäckebrote machen statt der ekligen Körner?
Also mache ich Knäckebrote und esse die Körnerbrote selber.

Einige Stunden später esse ich mit Kind1 zu Mittag. Es gibt Fischstäbchen mit Gemüsereis.
Kind1: von Gemüsereis muss ich kotzen.
Ich: nein, musst du nicht. Iss jetzt bitte was!
Kind1: aber mir wird schlecht von Reis. Und von den Fischstäbchen mag ich nur das Innere.
Ich: dann iss wenigstens das.
Kind1 isst das Innere der Fischstäbchen. Ich esse meine Fischstäbchen und den kompletten Reis.
Kind1: kann ich jetzt was zum Nachtisch?
Ich: das glaube ich nicht. Du hast ja kaum was gegessen.
Kind1: wieso? ich hab dir doch gleich gesagt das ich nur das Innere esse. Und das ist leer.
Chapeau!
Nach diversen Zwischenmahlzeiten wie Obst, Brezeln, Süßkram… sitze ich (immer noch satt von Fischstäbchen und Reis) mit beiden Kindern beim Abendbrot:
Kind2: wieso hast du Paprika auf den Tisch gestellt? Ich esse nur Tomaten und Gruken.
Ich: seit wann das denn?
Kind2: seit jetzt.
Kind1: wieso haben wir denn nur komische Wurst?
Ich: da ist doch Salami und Fleischkäse.
Kind1: ich kann heute nur Schinken oder Kinderwurst essen.
Kind2: ich will Lyoner.
Ich: dann nehmt doch Käse.
Kind2: der stinkt mir zu viel.
Kind1: ich esse ein Brot mit Butter. Wenigstens hast du diesmal nicht schon wieder Körnerbrot gekauft.
Kind2: ich esse auch Brot mit Butter.
Ich: wisst ihr, ich bin ganz schön traurig. Ich habe heute 3x Essen für euch gemacht und ihr habt jedesmal kaum was gegessen…..
Kind1: tja, dann musst du dir wohl mal von der Oma zeigen lassen wie man RICHTIG kocht.
Kind2: genau! Da essen wir nämlich IMMER ALLES!!!!!!!