Kinder sind ein Geschenk….

…. und sie geben dir so viel zurück! Das meine ich ganz Ernst. Vor allem viele Dinge, die du gar nicht erwartet hättest. Sehr viel Schmutzwäsche zum Beispiel. Oder kleine Legosteine, die überall herumliegen und sich in deine nackten Fußsohlen bohren, wenn du ihnen noch einen Gutenachtkuß auf die Stirn hauchen möchtest bevor du ins Bett gehst. Manchmal überraschen sie dich auch mit den verrücktesten Kunstwerken. Auf dem Dielenboden oder deiner Wohnzimmerwand. Gerne auch auf ihren eigenen Körpern. So kam Kind 2, die am letzten Samstag 3 Liter Milch bei Edeka kaufen sollte, nach ca. einer Stunde zurück und hatte ein wunderschönes, sehr großes, schwarzes Delfin-Tatoo auf ihrem Unterarm für das sie 45 Minuten am Event-Stand anstehen musste. Das wiederum führte dazu, dass wir deutlich später als geplant zu unserem Einkaufsbummel starten konnten.

Da Charlies Sohn gerne gezielt einkauft, sind wir nicht durch die Stadt gebummelt sondern in das hundert Kilometer entfernte Outlet gefahren. Kind 1, 2, und 3 haben extra ihr Taschengeld mitgenommen um sich Turnschuhe zu kaufen. Unerfahrene Eltern könnten nun denken „Hä? Ist doch egal ob Outlet oder Stadt. Man kann doch auch durch ein Outlet bummeln.“
Aber nein! Weit gefehlt. Nachdem  wir einen Parkplatz gefunden haben und uns auf den Weg in Richtung der Läden begeben, gehen wir natürlich nicht in das Strumpf-Geschäft, welches direkt gegenüber dem Eingang liegt und in dem ich gerne die dringend benötigten Skisstrümpfe besorgen würde. Nein, wir laufen mehrere Stunden kreuz und quer über das Gelände in sämtliche Outdoor-Läden, wo Charlies Sohn sich durch das Jacken-Sortiment probiert. Während er probiert, versuche ich die Kinder davon abzuhalten sich alleine auf den Weg in die beiden namhaften Sportschuhgeschäfte zu machen. Besonders Kind 1 macht heute extremen Stress. Er hat Sorge, dass die Turnschuhe, die er sich von seinem Ersparten kaufen möchte, in seiner Größe nicht mehr vorrätig sind wenn wir noch mehr Zeit vertrödeln. Im vierten Outdoor-Laden halte ich es nicht mehr aus und erlaube ihm schon mal vorzugehen. Kind 2 wird nicht müde mich zu fragen ob ich glaube, dass sie heute endlich mal Turnschuhe finden wird. Oder eher doch nicht? Ich wiederum erkläre ihr zum 341. Mal, dass es die meisten Turnschuhe erst ab Größe 36 gibt und es somit wohl noch einige Jahre dauert bis sie ihr gesamtes Taschengeld dafür verpulvern kann. Unterbrochen werden die Fragerei und die Erklärungen von den sechs Anrufen durch Kind 1, der mir beim ersten Anruf mitteilt, dass genug Schuhe in seiner Größe da sind. Beim zweiten Anruf will er wissen wie lange wir noch brauchen. Beim dritten, ob ich olivgrün oder goldbraun schöner fände. Beim vierten, dass er sich für schwarz entschieden hat. Beim fünften fragt er erneut wie lange wir noch brauchen und beim sechsten Anruf informiert er mich darüber, dass er jetzt nochmal zurück kommt um uns abzuholen.

Am Ende des Tages haben alle Kinder neue Turnschuhe und Charlies Sohn die Hände voller Einkaufstüten gefüllt mit Funktionskleidung aller Art. Sie sind erschöpft und wollen nun nach Hause fahren. Ich ernte genervtes Augengrollen untermalt von lautem Stöhnen, als ich mir einen kurzen Besuch im Wäscheladen erbitte. Von den Strümpfen traue ich mich nicht mehr zu sprechen. Ich kaufe im Schweinsgalopp ein, während Charlies Sohn und die Kinder im Auto warten.

Familienzeit ist so kostbar…..

 

Das Urlaubsmotto

Noch zehn Tage. Dann sind die Sommerferien 2018 für uns vorbei. Ich weiß nicht wie das in anderen Familien läuft, aber bei uns findet fast völlig  unbewusst eine Art Ritual statt. Schon am Ende der Osterferien zählen wir zum ersten Mal die Wochen, die es noch bis zu den Sommerferien dauert. Und dann nochmal um Pfingsten rum. Und wenn sich dann die Abschlußfeste in Kindergarten, Schulen, Firma und diversen Vereinen häufen, sind die lange herbeigesehnten Ferien nicht mehr weit. Das merkt man dann auch an dem ganzen Vor-Ferien-Stress. Denn für sämtliche Feste wird ein Kuchen und/oder Salat erwartet, mindestens ein Familienmitglied muss sich zum Standdienst eintragen und es ist wirklich nur purer Zufall, wenn nicht gleich mehrere dieser Feste auf das selbe Wochenende oder gar den selben Tag fallen. Bei drei Kindern kann man durchaus an seine logistischen Grenzen stoßen…..

Und irgendwann ist der dann da – der letzte Schultag. Inzwischen hat sich in unserem Freundeskreis die wundervolle Tradition entwickelt selbigen mit kindgerechtem Abendessen und nicht unerheblichen Mengen an Alkohol (für die Eltern) zu feiern. Aber spätestens am nächsten Tag geht er auch schon weiter. Der Streß. Aus Vor-Ferien-Streß wird Wasch- und Pack-Streß. Meistens darf ich den alleine genießen, da Charlies Sohn gerne schon an seinem letzten Arbeitstag abends noch losfährt. Und seine Klamotten sind ja schließlich auch schnell gepackt. Da braucht er, laut eigener Aussage, höchstens 5 Minuten.

Im Urlaubsort angelangt setzt dann meistens umgehend die Entspannung ein. Und je nachdem wo man sich befindet oder wie gut, bzw. schlecht ausgestattet der Campingplatz ist, kommt dann auch bald die Langeweile. Ich bin ja davon überzeugt, dass den meisten Mitgliedern meiner Familie einfach bloß die Umstellung vom Vor-Ferien-Streß auf Urlaubsmodus schwerfällt. Sie sind mit der Menge der zur Verfügung stehenden Freizeit einfach kurzfristig überfordert. Das wiederum führt zu unüberlegten Übersprungshandlungen, welche sich nicht selten durch den ganzen Urlaub ziehen. Das Urlaubsmotto. Bisher stand jeder Urlaub unter einem eigenen Motto. Baumarkt. Wir hatten mal das Urlaubsmotto Baumarkt. Es begann mit einer Reparatur des Miet-Wohnmobils. Irgendein supermegawichtiges Teil tief im Inneren des Motorraums ging kaputt und wir mussten eine Werkstatt aufsuchen. Die mehrstündige Wartezeit überbrückten wir mangels Alternativen mit einem Bummel im gegenüberliegenden Baumarkt. Und das war der Auftakt für das Urlaubsmotto 2004. Von da an haben wir sämtliche Baumärkte Kanadas aufgesucht.
2010 hieß das Urlaubsmotto Pops. Eine Eissorte, die aus ca. 20 kleinen Vanilleeiswürfeln in einer Schokoladenhülle besteht. Eigentlich haben wir die am ersten Tag nur gekauft, weil das damals zehn Monate alte Kind 2 die besser essen konnte als die restlichen zur Verfügung stehenden Eissorten der örtlichen Strandbude. Und schwupp: kein Tag mehr ohne Pops.
Auch Waschen war mal ein Urlaubsmotto. Das ist ebenfalls schon einige Jahre her und es war noch nicht soooo üblich, dass es in nahezu jedem Ferienhaus eine Waschmaschine gab. Also war ich ganz beseelt von dem Gedanken mit komplett frisch gewaschener Wäsche nach Hause zu fahren. Das Ganze gipfelte darin, dass ich am Abreisetag bereits in aller Herrgottsfrühe schon die Betten abgezogen habe um selbst die Bettwäsche in schrankfertigem Zustand zurück zu transportieren.

Das diesjährige Motto war Decathlon. Eine französische Ladenkette für Sportartikel, in der wir eigentlich nur Neoprenanzüge kaufen wollten, weil ich es Zuhause nicht mehr geschafft hatte welche zu besorgen (Wie auch? Ich war ja mit Vor-Ferien-Streß und Pack-Streß beschäftigt). Und da rechnest du schon mit lautstarkem Protest der Kinder, weil wir erst noch ein Sportgeschäft aufsuchen müssen bevor es zum Strand geht. Aber nein – du betrittst den Laden und Zack! Direkt am allerersten Urlaubstag ist das Motto für 2018 gefunden. Denn obwohl wir bereits beim ersten Besuch am ersten Tag alles gefunden und gekauft haben, was wir für einen Urlaub an der niederländischen Nordsee benötigten, war wir noch drei weiter Male dort. Und wir sind JEDES MAL mit vollgepackten Tüten aus dem Laden.

Ich persönlich halte ja beipielsweise Gourmetrestaurants, Kultur oder dergleichen für ein erstrebenswertes Urlaubsmotto. Aber wie man an meinen Beipielen sieht: das Urlaubsmotto ist nicht planbar. Es findet dich. Immer. Überall. Und zwar genau dann, wenn du es am wenigsten erwartest.

Von doofen Kindern und Sonnencreme

In regelmäßigen Abständen wird die Beständigkeit einer Familie auf eine harte Probe gestellt.
Beispielsweise heute, wenn man, eingepfercht in einen 8 qm großen Wohnwagen, seit 2 Wochen in Spanien weilt.

Kind 3 reagiert jedes mal, wenn ich den Wohnwagen verlasse (Toilette, duschen, schwimmen,…) mit lautem Gebrüll. Da ist es dann besonders hilfreich, wenn Charlies Sohn der Meinung ist: jetzt nimm sie halt auch mal mit. Du merkst doch, dass sie gerne bei dir wäre. Ich kann sie auch nicht dauernd ablenken….. Äääähhhhh, DOCH! Kannst du wohl!!!!

Kind 2 hat die Zwischenwelt von Kindergartenkind und Vorschulkind erreicht, was sich in regelmäßigen Motz- und Schrei-Attacken äußerst. Mein Geduldsfaden reißt, als sie bei Elfer raus zum xten Mal eine hanebüchene Kombination wie die blaue Zwei neben die rote Zehn (wie doof ist die eigentlich?) legt. MANN, jetzt leg halt mal was Vernünftiges!!!

Kind 1 befindet sich in einer Art Vor-Pubertät. Auf jede noch so harmlose Bitte wie etwa: kannst du bitte deine nasse Badehose aufhängen/dein Fahrrad aus dem Weg räumen? folgt die Antwort: kann ich nicht mal 5 Minuten Ruhe haben und machen was ich will???
Nach 13 Tagen bleibe ich auch hier nicht mehr gelassen…. MACH JETZT! Oder du gehst für den Rest des Urlaubs weder schwimmen, noch radfahren!!!

Das Ganze gipfelt heute bei Charlies Sohn (auch bekannt als Kind 0). Bereits am Vormittag weise ich ihn liebevoll darauf hin, dass ihn ein Sonnenbrand auf dem Rücken erwartet, wenn er sich nicht bald eincremt. Ich ernte verständnisloses Augenrollen. Am späten Nachmittag (der Rücken leuchtet knallrot) bin ich nicht mehr ganz so freundlich, mit meinem Hinweis auf Sonnencreme und/oder ein T-Shirt….

Beim Abendessen sinnieren Kind 0-3 über den Tag, der total nett und entspannt hätte sein können, wenn die Mama (also ich!!!) nicht dauernd rumgemeckert hätte.

Nee, iss klar. Ich hatte schon lange keinen so tollen Tag mehr…

Familie kann man sich nicht aussuchen

Für G. – der sich eine Geschichte gewünscht hat.

Ich habe eine Schwester  sowie eine Vielzahl an Cousins und Cousinen. In meiner Familie sind alle pragmatisch. Jeder sagt, was er/sie denkt – wer damit ein Problem hat, hat Pech.
Doch auch, wenn das für Außenstehende nicht auf den 1. Blick erkennbar ist: wir lieben uns! Das sagt natürlich jetzt keiner so richtig. Braucht auch keiner, weil das ja eh klar ist. ❤️

In der Familie meines Mannes ist das komplett anders. Er hat einen Bruder, eine Schwester, eine Cousine und drei Cousins. Sie alle durften wir am vergangenen Wochenende zum jährlichen Familientreffen wiedersehen. Fast alle hatten  Frau oder  Mann/Partnerin oder Partner nebst einem Haufen unglaublich entzückender Kinder mitgebracht (in diesem Punkt haben meine Cousinen & Cousins noch einiges aufzuholen). Aber im Gegensatz zu meiner Familie sind hier IMMER ALLE wahnsinnig nett und zuvorkommend. Sie sagen sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit wie großartig der jeweils andere ist und wie Schade es doch sei, das die ganze Familie sich so selten sieht. Sie sind sogar so nett, dass man als Nicht-Familienmitglied im 1. Moment denken könnte: hier stimmt was nicht (so ging es mir am Anfang jedenfalls)!

Cousin G. beispielsweise, hat für das Treffen eine Berghütte ausgesucht, die man nicht anfahren konnte. Stattdessen musste man mitsamt seinem Gepäck + Schlafsack (in unserem Fall für 5 Personen) 1,5 Stunden bergauf latschen. Aber hat sich jemand beschwert? Fehlanzeige! Alle sind total gut gelaunt und freudig hinauf gestapft, als gäbe es nichts Schöneres auf der Welt.
Da wir aufgrund der weiten Anreise (darüber habe ICH mich sehr wohl beschwert) erst am sehr späten Freitagabend ankamen und in einem der örtlichen Hotels übernachtet haben, sind sogar sämtliche Familienmitglieder am Samstagmorgen nochmal runtergelatscht um uns abzuholen. Und dann – das muss man sich mal vorstellen – gab es fast Streit darüber, wer unser Gepäck nach oben tragen DARF….
Und da traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz: die meinen das echt Ernst!

Ich bin von der Erkenntnis noch immer ganz verzückt. Auch wenn diese Familie so komplett anders ist als meine, habe ich sie im Laufe der Jahre nicht weniger lieb gewonnenen. Und obwohl ich es anfangs für unmöglich gehalten habe, glaube ich inzwischen: ich passe ganz gut dazu.

Das Notfall-Armband

Minuten des Grauens beim gestrigen Phantasialand-Besuch:
11:42 Uhr – Kind 2 ist weg!!!
Nach einer Runde Geisterbahn sammelt sich unsere Gruppe ein Stück vom Ausgang entfernt um zu besprechen welches die nächste Attraktion sein soll. Beim Aufbruch stellen wir fest, dass Kind 2 fehlt.
Da sie ein Band mit meiner Telefonnummer um ihr Handgelenk trägt behalte ich die Nerven und vertraue darauf, dass mich gleich ein netter Parkbesucher anruft um mir mitzuteilen wohin meine Tochter verschwunden ist während wir die nähere Umgebung absuchen.
Doch nichts passiert….

Nach 15 Minuten steigt dann doch Panik in mir hoch. So ganz langsam. Beginnt irgendwo in der Magengegend und bleibt im Hals hängen.
Es gelingt mir mit einigermaßen kontrollierter Stimme Kind 1 zu bitten durch die Geisterbahn zu laufen. Möglicherweise hat sich Kind 2 noch mal angestellt….
Am Ausgang der Geisterbahn teilt uns ein freundlicher Parkmitarbeiter mit: so ne kleine Blonde? Ja, die war hier. Ganz alleine. Die wurde zum Family Service escortiert.
Erleichtertes Aufatmen. Kind 2 wurde nicht entführt, sondern befindet sich in Sicherheit. Auf dem Weg zum Family Service steigen dann doch wieder Zweifel in mir auf. Warum ruft keiner an? Es ist bestimmt ein anderes blondes Kind. Unsers wird ja wohl nicht das einzige blonde Kind sein, dass heute verloren gegangen ist. Ich denke an Maddie. Das Mädchen, das vor Jahren aus dem Hotelzimmer entführt wurde, während die Eltern beim Essen waren.
Die Panik drückt wie verrückt in meinem Hals, aber ich traue mich nicht meine Befürchtungen laut auszusprechen.

Da streckt Charlies Sohn, der bereits einen Blick durch die Fensterscheibe des Family Service geworfen hat, den Daumen in Höhe.
Sie ist es! Gott sei Dank!

Fröhlich sitzt sie neben einer netten Dame und malt.
OHNE Armband!!!!!!
Ich: wo ist denn dein Armband?
Kind 2: das hat mich genervt. Da hab ich es abgemacht und in deine Jackentasche gesteckt.
Ich zu der Dame: hätten Sie bitte mal einen Kugelschreiber für mich???